Mahnmal zum Waisenhaus in Dinslaken

Standort: Neustraße 43, Dinslaken
Aufgestellt: 1980
Texttafel in Deutsch: Hier errichteten 1885 die Juden unserer Stadt ein Waisenhaus. Bis zur Zerstärung durch die Naziverbrecher wurden hier jüdische Vollwaisen betreut.
Texttafel in Hebräisch: 1987 mit gleichem Text
Waisenhaus erbaut: 1885
Waisenhaus zerstört: 10. November 1938 – in der Reichsprogromnacht abgebrannt
Kunst in Dinslaken - Kunstwerke - Das Waisenhaus in Dinslaken - Gedenkstein vor der Passage zum Rutenwall

Fotografin: Rahel Bialojahn

Der Gedenkstein für das jüdische Waisenhaus an der Neustraße und das Israelitische Waisenhaus zu Dinslaken 1885 bis 1938

Das Dinslakener Israelitische Waisenhaus, ein ehemaliges Patrizierhaus, befand sich von 1885 bis 1938 an der Neustraße 4. Es wurde von mehreren Dinslakener jüdischen Mitbürgern gemeinsam erworben und bildete fortan einen Mittelpunkt jüdischen Lebens. Neben der Synagoge und der jüdischen Schule war es die dritte bedeutende Sozialeinrichtung der großen jüdischen Gemeinde in Dinslaken. Neben dem Abraham-Frank-Haus in Köln stellte es das einzige jüdische Waisenhaus im Rheinland dar.

Der Gründer der Stiftung Waisenhaus und erste Direktor der Einrichtung war Leopold Wormser. Das Haus finanzierte sich durch Spenden und private Zustiftungen. Auf Wormser folgte Sophoni Herz – beide angesehene Pädagogen.

15 bis 30 Kinder lebten zeitweise im Haus, ihre Schicksale sind in den letzten Jahren großenteils erforscht worden. Am 10. November 1938 wurden die Kinder und das Personal in ein kleines Internierungslager gebracht, manche konnten über Köln nach Holland und Belgien flüchten. Das Gebäude bleib äußerlich unzerstört (im Gegensatz zur Synagoge), aber die Inneneinrichtung wurde abtransportiert. Im jüdischen Waisenhaus zog – wie zum Hohn – die Kreisleitung der NSDAP ein. Am 23. März 1945 zerstörten Bomben das Haus vollständig.

Der Gedenkstein erinnert an die Menschen, die in der Pogromnacht vertrieben und deren Lebensmittelpunkt zerstört wurde. Der Text auf dem Gedenkstein ist nach heutiger Kenntnis nicht mehr völlig korrekt, es wurden nicht nur Vollwaisen, sondern auch Kinder aus Familien betreut, deren Eltern die Erziehung im Waisenhaus schätzten.

Literaturhinweise

  • Mathilde Maier, Alle Gärten meines Lebens. 1978 (Mathilde Maier, geb. Wormser, war die Tochter von Leopold Wormser und schildert im ersten Kapitel auch ihre Kindheit und Jugend in Dinslaken.)
  • Yitzhak Sophoni Herz, Meine Erinnerungen an Bad Homburg und weine 600-jährige jüdische Gemeinde (1335 – 1942). Darin: Kristallnacht im Dinslakener Waisenhaus). Rechovoth 1981
  • Adolf Kraßnigg, Juden in Dinslaken. In: Dinslaken in der NS-Zeit. Vergessen Geschichte 1933 bis 1945. Kleve 1983
  • Kurt Tohermes, Jürgen Grafen, Leben und Untergang der Synagogengemeinde Dinslaken. Dinslaken 1988
  • Nationalsozialismus in Dinslaken und seine Nachwirkungen. Neue Forschungsergebnisse. Essen 2008
  • Anne Prior, „Geben Sie diese Kinder nicht auf!“ Kindertransport nach Belgien und die Schicksale der Bewohner des Israelitischen Waisenhauses Dinslaken 1938-1945. Essen 2015
  • Zur Geschichte einzelner Bewohner des Waisenhauses siehe auch die Website des Stolpersteine Dinslaken e.V.
Kunst in Dinslaken - Kunstwerke - Das Waisenhaus in Dinslaken - Gedenkstein vor der Passage zum Rutenwall

Fotografin: Rahel Bialojahn

Mahnmal zum Waisenhaus in Dinslaken

Standort: Neustraße 43, Dinslaken
Aufgestellt: 1980
Texttafel in Deutsch: Hier errichteten 1885 die Juden unserer Stadt ein Waisenhaus. Bis zur Zerstärung durch die Naziverbrecher wurden hier jüdische Vollwaisen betreut.
Texttafel in Hebräisch: 1987 mit gleichem Text
Waisenhaus erbaut: 1885
Waisenhaus zerstört: 10. November 1938 – in der Reichsprogromnacht abgebrannt

Der Gedenkstein für das jüdische Waisenhaus an der Neustraße und das Israelitische Waisenhaus zu Dinslaken 1885 bis 1938

Das Dinslakener Israelitische Waisenhaus, ein ehemaliges Patrizierhaus, befand sich von 1885 bis 1938 an der Neustraße 4. Es wurde von mehreren Dinslakener jüdischen Mitbürgern gemeinsam erworben und bildete fortan einen Mittelpunkt jüdischen Lebens. Neben der Synagoge und der jüdischen Schule war es die dritte bedeutende Sozialeinrichtung der großen jüdischen Gemeinde in Dinslaken. Neben dem Abraham-Frank-Haus in Köln stellte es das einzige jüdische Waisenhaus im Rheinland dar.

Der Gründer der Stiftung Waisenhaus und erste Direktor der Einrichtung war Leopold Wormser. Das Haus finanzierte sich durch Spenden und private Zustiftungen. Auf Wormser folgte Sophoni Herz – beide angesehene Pädagogen.

15 bis 30 Kinder lebten zeitweise im Haus, ihre Schicksale sind in den letzten Jahren großenteils erforscht worden. Am 10. November 1938 wurden die Kinder und das Personal in ein kleines Internierungslager gebracht, manche konnten über Köln nach Holland und Belgien flüchten. Das Gebäude bleib äußerlich unzerstört (im Gegensatz zur Synagoge), aber die Inneneinrichtung wurde abtransportiert. Im jüdischen Waisenhaus zog – wie zum Hohn – die Kreisleitung der NSDAP ein. Am 23. März 1945 zerstörten Bomben das Haus vollständig.

Der Gedenkstein erinnert an die Menschen, die in der Pogromnacht vertrieben und deren Lebensmittelpunkt zerstört wurde. Der Text auf dem Gedenkstein ist nach heutiger Kenntnis nicht mehr völlig korrekt, es wurden nicht nur Vollwaisen, sondern auch Kinder aus Familien betreut, deren Eltern die Erziehung im Waisenhaus schätzten.

Literaturhinweise

  • Mathilde Maier, Alle Gärten meines Lebens. 1978 (Mathilde Maier, geb. Wormser, war die Tochter von Leopold Wormser und schildert im ersten Kapitel auch ihre Kindheit und Jugend in Dinslaken.)
  • Yitzhak Sophoni Herz, Meine Erinnerungen an Bad Homburg und weine 600-jährige jüdische Gemeinde (1335 – 1942). Darin: Kristallnacht im Dinslakener Waisenhaus). Rechovoth 1981
  • Adolf Kraßnigg, Juden in Dinslaken. In: Dinslaken in der NS-Zeit. Vergessen Geschichte 1933 bis 1945. Kleve 1983
  • Kurt Tohermes, Jürgen Grafen, Leben und Untergang der Synagogengemeinde Dinslaken. Dinslaken 1988
  • Nationalsozialismus in Dinslaken und seine Nachwirkungen. Neue Forschungsergebnisse. Essen 2008
  • Anne Prior, „Geben Sie diese Kinder nicht auf!“ Kindertransport nach Belgien und die Schicksale der Bewohner des Israelitischen Waisenhauses Dinslaken 1938-1945. Essen 2015
  • Zur Geschichte einzelner Bewohner des Waisenhauses siehe auch die Website des Stolpersteine Dinslaken e.V.
Kunst in Dinslaken - Kunstwerke - Das Waisenhaus in Dinslaken - Gedenkstein - Tafel mit hebräischem Text

Fotografin: Rahel Bialojahn

Kunst in Dinslaken - Kunstwerke - Das Waisenhaus in Dinslaken -Gedenkstein - Tafel mit deutschem Text

Fotografin: Rahel Bialojahn

Kunst in Dinslaken - Kunstwerke - Das Waisenhaus in Dinslaken - Historisches Bild

Quelle: Stadtarchiv Dinslaken